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Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer
Graue Regenwolken hingen über dem Parkplatz von Chemnitz, als wir uns am zeitigen Morgen zu unserer Reise nach dem Süden trafen. Rasch füllte sich der Bus, nachdem von allen Himmelsrichtungen Taxis die erwartungsvollen Gäste brachten – teils schwer beladen mit Koffern und Reisetaschen.
Das Wetter sollte noch schlimmer werden. Im Vogtland hinderte dicker Nebel unsere Fahrt. Dann fing es auch noch zu regnen an. Aber alle waren guter Stimmung und das schien sich auch auf die Wetterlage zu übertragen, denn je südlicher wir kamen, um so mehr rissen die Wolken auf und blauer Himmel begleitete uns bis zum Gardasee. Wir fuhren durch eine reizvolle Landschaft. Schnee bedeckte die Berge der Alpen, in den Tälern friedliche Dörfer mit prachtvollen Kirchen. Am Nachmittag erreichten wir Topole am Gardasee. Die Urlauberstadt war wie ausgestorben, die Hotels zum großen Teil geschlossen, im Winterschlaf, sich auf den großen Touristenansturm im Sommer vorbereitend. Am nächsten Morgen fuhren wir weiter in Richtung Genua, zunächst auf einsamen Straßen an der Küste des Gardasees entlang, später durch die fruchtbare Poebene. Gegen 14.00 Uhr erreichten wir unser Ziel: Genua.

Durch den historischen Stadtkern mit seinen engen Gassen, seinen reich geschmückten Kirchen, seinen zahlreichen Adelshäusern, Wandmalereien an den Fassaden, und seinen trutzigen Mauern, die die Einwohner im Mittelalter vor kriegerischen Horden schützten, erreichten wir den Hafen. Vor uns lag ein riesiges Passagierschiff, unsere MS Orchestra.
Dieses gewaltige Schiff mit seinen 59.000 Bruttoregistertonnen sollte in den nächsten 1,5 Wochen für 2.500 Passagiere, darunter auch wir, ihre Heimat werden. Das Personal (800 Personen aus 40 Ländern) war von der ersten Minute an für uns da. Die Formalitäten erledigten sich ohne Wartezeiten. Junge Philippinos brachten uns zu unserer Luxuskabine im 10. Stock. Der Blick vom Balkon war faszinierend. Vor uns hingen die Häuser wie Trauben an den Hängen, Straßen bis zu einem Meter breit. Zwischen den Häusern hing die Wäsche der Genueser auf durchhängenden Leinen zum Trocknen.
Gegen 16.00 Uhr glitt fast lautlos unser schwimmendes Hotel durch das neugestaltete alte Hafenbecken. Noch ein letzter Blick fiel auf die außergewöhnliche Stadt, die sich vom Meer hin zu den Hügeln zog. 771 Seemeilen lagen vor uns.
Unser erstes Ziel war Katacolon. Langweilig war es nie an Bord. Kurz nach der Ausfahrt fand die erste Seenotübung für alle Passagiere statt. Die zahlreichen Restaurants, Cafés, Spielcasinos, Sporteinrichtungen, Theater kennen zu lernen, dafür reichte der Tag auf See nicht aus.
Nach einer ruhigen Fahrt an der italienischen Küste entlang, durch die Straße von Messina, durch das Ägäische Meer, erreichten wir nach einer Nacht und einem Tag Katacolon. In einem kleinen Fischerhafen, geschichtsträchtig durch Olympia, legte unser Luxusdampfer an. Mit Bussen erreichten wir am nächsten Morgen nach 28 km Fahrt durch herrliche Natur Olympia, die Wiege der Olympischen Spiele.
Letztere fanden im 8. Jahrhundert v. Chr. zu Ehren des Gottes Zeus und seiner Frau Hera statt. Nach der Sage legte Herkules den Heiligen Hain von Olympia an zur Verehrung von Zeus und Hera. Rund um die Kultstätte entstanden Anlagen für die Sportwettkämpfe, die ab 776 vor Christus alle 4 Jahre stattfanden. Die Spiele sollten für den Frieden aller Menschen auf dieser Erde stattfinden. Ein mächtiger, noch gut erhaltener Tempel sprach für die Baukunst und Klugheit der Menschen des Altertums. Der Byzantinische Kaiser Theodosius ließ 393 alle Stadien schließen. Nach einem verheerenden Erdbeben am 6. Januar wurde auch der Zeustempel zerstört. Baron Pierre de Coubertin erweckte 1896 die Olympischen Spiele zu neuem Leben. Seitdem werden regelmäßig alle 4 Jahre an verschiedensten Orten der Welt die bedeutenden Sportwettkämpfe durchgeführt.
Am Nachmittag verließen wir den geschichtsträchtigen Ort.
Nach zwei Nächten und einem Tag auf See legte unser Luxusschiff pünktlich 08.00 Uhr morgens am Pier von Piräus an. Piräus, der Hafen von Athen, ist größter Seeverkehrsknotenpunkt des Mittelmeers, heute wie im Mittelalter.
Athen, die Hauptstadt Griechenlands, liegt 6 km vom Meer entfernt. Seine höchste Erhebung, die Akropolis, Wahrzeichen der Stadt mit seinem großartigen Bauwerk, dem Panthenon, ein Wahrzeichen der Baukunst der Menschen des Altertums, ist weithin sichtbar.
Die Akropolis bestiegen wir durch das Beuletor, einem römischen Bau aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Seinen Namen verdankt es einem französischen Archäologen, der es 1850 entdeckte. Auf dem Felsmassiv der Akropolis spielte sich das Leben im antiken Athen ab. Dieser Ort war gleichzeitig Zuflucht der Götter, der Könige und Helden.
Perikles und sein Architekt Mnesikles planten das prächtige säkulare Bauwerk, heute Anziehungspunkt von Millionen Touristen aus aller Welt. Majestätisch erhebt sich auf dem höchsten Platz der Akropolis, der Parthenon-Tempel, ein Wunderwerk aus weißem Marmor. Dieser Tempel wird als die schönste und herrlichste Ruine der westlichen Welt bezeichnet. Der Jungfrau Pallas Athene wurde er geweiht, der Göttin der Weisheit. Vollendet wurde der Bau 438 v. Chr. Anfänglich reich verziert mit Reliefs und Friesen, von denen heute nur noch wenige zu bewundern sind.
Noch vor 200 Jahren war der Tempel in voller Pracht erhalten. Eine Bombe von Kanonen des Morosinus schlug damals in das Parthenon ein, das die Türken als Waffenlager nutzten. Ein Trümmerhaufen blieb zurück. Der Fries befindet sich heute zu großen Teilen in London.
An der Nordmauer der Akropolis steht das Erechtheion. Der Architekt hatte die Aufgabe, drei Kulte, den der Athene, des Poseidon und des Erechtheus, unter einem Dach zu vereinigen.
15 Jahre (bis 406 v. Chr.) dauerte der Bau. Das Dach der Südseite tragen 6 Mädchenfiguren, die berühmten Koren.
Nach einem erholsamen Rundgang durch die Altstadt von Athen besuchten wir das Nationalmuseum. Hier befinden sich die größten Kunstsammlungen der Welt.
Die Zeit war viel zu kurz für die Bewunderung all der antiken Sehenswürdig-
keiten und das Genießen des pulsierenden Lebens der Weltstadt Athen.
Am Nachmittag lief unser Schiff nach Rhodos aus. 251 Seemeilen lagen vor uns.
Vorüber an zahlreichen griechischen Inseln, u. a. Kithos und Mykonos, fuhren wir durch das Ägäische Meer nach der Insel Rhodos. Sie erreichten wir am nächsten Morgen gegen 07.00 Uhr. Von Rhodos aus erblickten wir durch das Fernglas die 12 km entfernte türkische Küste. Rhodos ist die Hauptinsel in der Gruppe der Dodekanesen.
Zeus hatte die Erde unter seinen Göttern aufgeteilt, doch den Sonnengott Helios hatte er vergessen. Dieser forderte ebenfalls seinen Anteil. Auf der Insel, die dem Sonnengott zugeteilt wurde, lebte die Nymphe Rhodos, die Tochter des Poseidon. Helios verliebte sich in sie, nahm sie zur Frau und benannte die Insel nach ihr, so die Mythologie.
Die strategische Lage und die Schönheit der Insel hatten zur Folge, dass viele Völker diese Insel bewohnten, plünderten und teilweise ein prachtvolles Leben in Luxus führten.
Die berühmte Schule der eklektischen Rede erlebte in der Klassik zusammen mit Malerei und Bildhauerei hier ihre Blüte.
Persönlichkeiten, wie Julius Cäsar, Cato, Lucretius, Perikles, besuchten sie zu ihrer Zeit. Eines der 7 Weltwunder, der Koloss von Rhodos, eine 31 m hohe Statue, soll über der Hafeneinfahrt der Stadt gestanden haben, berichtet die Legende. Gefunden hat sie bis heute niemand. Die Altstadt wird beherrscht vom Großmeisterpalast. Mächtige Mauern schützten die Menschen im Mittelalter vor Eindringlingen. Heute beleben zahlreiche kleine Boutiquen, Restaurants, Cafés, Eisdielen, Souvenirgeschäfte und Bars die engen Gassen. Tausende von Touristen, meist von den Luxuslinern, die im Hafen liegen, beleben die Altstadt.
Am Nachmittag verließ unser Passagierschiff fast lautlos den Hafen von Rhodos Richtung Ägypten. Glutrot stieg die Sonne am nächsten Morgen am Horizont der Millionenmetropole Alexandria empor. Angenehme Wärme drang durch das Fenster in unsere schwimmende Behausung. Geschäftiges Treiben im Hafenbecken und quirliges Leben an der nahen Küste zeugten vom Fleiß der arbeitenden Menschen. Vor uns lag ein langer, erlebnisreicher Tag. Nach dem Festzurren des Luxusliners im Hafenbecken erwarteten uns am frühen Morgen zahlreiche Busse, die die Touristen aus Frankreich, Japan, England, Deutschland nach Kairo, der Hauptstadt Ägyptens, der bevölkerungsreichsten Stadt Afrikas, bringen sollten.
Die Busse quälten sich durch den chaotischen Verkehr. Jeder versuchte, an sein Ziel zu kommen. Verkehrsregeln spielten dabei offensichtlich keine Rolle. Eselskarren suchten einen Weg durch die teilweise 10-spurigen Autokolonnen. Fußgänger hatten so gut wie keine Chance, über die Straße zu kommen. Offensichtlich spielten Zusammenstöße keine große Rolle. Sie wurden teilweise ohne Reaktion zur Kenntnis genommen. Dementsprechend sahen auch die Autos aus. Das Chaos wurde durch lautes anhaltendes Hupen von allen Seiten musikalisch untermauert. In der 14-Millionen-Metropole hatte jeder seine eigenen Gesetze. Wie durch ein Wunder erreichten wir doch noch unser Ziel, die gewaltigen Bauwerke des Altertums, die Pyramiden von Giseh am Westufer des Nils hinter den städtischen Großbauten.
Mitten in der Wüste, in Sand gebaut, erhob sich majestätisch die Pyramide des Pharaos Cheops mit einer Höhe von 146 Metern. Sie besteht aus 2,5 Millionen mächtigen Steinblöcken, die von Tausenden von Menschen im Altertum zu diesem grandiosen Bauwerk aufgetürmt wurden. Bis zum heutigen Tag ist die Pyramide in unveränderter Pracht zu bewundern.
Die Steinblöcke wurden in den Bergen westlich des Nils geschlagen und auf Flößen transportiert. Sie haben Kriege, Erdbeben, Naturgewalten über Jahrtausende überstanden. Wie wir erfuhren, wurde der Bau von ehrenhaften Bürgern errichtet. Es war eine Auszeichnung, mithelfen zu dürfen. Sklaven spielten dabei kaum eine Rolle. Nur wenige Meter entfernt erheben sich die Pyramide des Pharao Chefren und einige kleinere, in denen die Frauen der Pharaonen ihre letzte Ruhestätte fanden. Vor den Pyramiden erhebt sich majestätisch die Sphinx, zum Schutz der Heiligtümer erbaut.
Am Nachmittag, wieder hatten wir eine chaotische Fahrt durch die Stadt erlebt, besuchten wir das Nationalmuseum. Wir bewunderten Jahrtausende alte Schätze der Menschheit. Ehrfürchtig standen wir vor der goldenen Maske des Pharao Tutenchamun, nachdem es uns endlich gelungen war, einen Platz zu erhaschen, indem wir uns durch die drängelnde Menschenmenge quälten. Jahrtausende alte Mumien ruhen in Regalen, wertvolle Kunstschätze aus den Gräbern der Pharaonen zeugen von dem Können der damaligen Menschen. Die Zeit, um alles zu ergründen, war viel zu kurz.
Am Abend quälte sich unser Bus erneut durch die Straßen der quirligen Metro- pole. Der Kapitän konnte nicht pünktlich vom Pier ablegen, da er auf unseren Bus warten musste.
Nächstes Ziel war Zypern, der Hafen von Limassol. 266 Seemeilen entfernt.
Zypern, die östlichste der Mittelmeerinseln, liegt 65 km von der Türkei entfernt. Sie ist eine der ältesten Kulturstätten der Erde. Eine über 8000-jährige Geschichte hat hier ihre Spuren hinterlassen. Rundbauten von Khirokita, erbaut im 6. Jahrtausend v. Chr., weisen auf steinzeitliche Lebensformen hin. Die Entdeckung von Kupfer vor ca. 3000 Jahren v. Chr. prägte das Leben auf Zypern. Die Insel wurde eine der wichtigsten Handelsnetze des östlichen Mittelmeers. Ägypter, Griechen, Römer beherrschten nacheinander die Insel. Richard I. Löwenherz eroberte mit Kreuzfahrern das Eiland. 1489 fiel die Insel an die Seegroßmacht Venedig. Die Wurzeln des andauernden griechisch-türkischen Konfliktes reichen in die Zeit der ersten türkischen Invasion 1570 zurück. 1878 kam Zypern unter britisches Protektorat. 1925 wurde die Insel britische Kolonie. Zu Beginn des 1. Weltkrieges annektierte Großbritannien die Insel.
1959 konnte endlich der Konflikt zwischen Großbritannien, der Türkei und Griechenland durch das Londoner Abkommen beigelegt werden. Zypern wurde 1960 unabhängig. Der Konflikt zwischen dem türkischen Norden und dem griechischen Süden hält bis heute an. Trotz Bemühungen der UNO ist eine Lösung noch nicht in Sicht. Neue Verhandlungen zwischen Türken und Griechen bringen hoffentlich bald eine Lösung für alle Seiten.
Auf dem Weg zum Haus des Dionysos bei Paphos, wo wir gut erhaltene römische Mosaiken bewunderten, fuhren wir vorüber am Felsen Petra tou Romiou. Hier soll die Liebesgöttin Aphrodite dem Schaum des Meeres entstiegen sein, so von der Mythologie überliefert. Aphrodite, so wird einerseits berichtet, sei die Tochter von Zeus und Dione gewesen. Eine andere Überlieferung berichtet, dass Aphrodite aus dem Samen des Gottes Uranus hervorging. Daher der Begriff „die Schaumgeborene“. Uranus und Gaia, anfangs ein Paar, trennten sich wegen der ständigen Untreue von Uranus. Ihr Sohn Kronos half seiner Mutter, indem er seinen Vater entmannte und sein Geschlechtsteil in das Meer warf. Aus einem der Samentropfen ging Aphrodite hervor.
281 Seemeilen weiter, erreichten wir Marmaris, Türkei. Der „von Gott gesegnete Ort“, so nannte man ihn zu Zeiten der Antike, ruht in einer reizvollen Bucht des westlichen Mittelmeeres. Am späten Vormittag glitt unser schwimmendes 5-Sterne-Hotel vorüber an Bergen und grünen Hängen fast lautlos in den Hafen ein. Marmaris, die reizvolle Stadt, gelegen zwischen Ägäis und Mittelmeer, empfing uns mit milder Wärme, strahlend blauem Himmel und einer traumhaften üppigen Natur. Auf dem Weg in die Altstadt, am Yachthafen vorüber, begegneten wir kleinen gepflegten Restaurants, in denen schon am Morgen die einheimischen Männer sowie Touristen in friedlicher Atmosphäre bei Tee, Kaffee und Snacks ihr Leben genossen.
Unsere schwimmende Insel zog zahlreiche neugierige Blicke auf sich. Handwerker, Teppichweber, Kunstschmiede hielten ihre Waren feil. In den überdachten Märkten roch es angenehm nach orientalischen Gewürzen. Prachtvolle Teppiche wurden auf den Straßen ausgebreitet, Keramiken angeboten, Amulette zum Schutz vor bösen Geistern empfohlen. Das alles hatte ein Flair, das man in unseren Breiten nicht finden kann.
Marmaris wurde erstmals 3400 v. Chr. erwähnt. Der griechische Historiker Herodot nannte Marmaris „das grüne Paradies voller Pinien und Düfte“. Ägypter, Griechen, Römer, Syrer, Byzantiner und Türken, Monarchen, Herrscher, Imperatoren entspannten sich hier, genossen die Schönheit der Natur, wie wir am heutigen Tage. Wir kommen wieder!
Gegen Mittag des nächsten Tages erreichten wir Kreta, die größte Insel Griechenlands. Schneebedeckte Berge ragten mit ihrer höchsten Erhebung, dem Berg Ida, bis zu 2.456 m in den Himmel.
Was den Namen der Insel anbelangt, gibt es zwei Theorien: Die Insel wurde nach der Nymphe Kreta benannt oder die Insel erhielt den Namen nach dem ersten König Kretheos. Schon seit Jahrtausenden war Kreta besiedelt. Aus der frühen Bronzezeit stammen die Überreste der minoischen Kultur mit dem berühmten Palast von Knossos.
Die günstige Lage der Insel führte schon im Altertum zu schwungvollem Handel zwischen Griechenland, Zypern, Kleinasien und Ägypten. Öl, Wein, Rosinen, Parfüm aus Madonnenlilien waren begehrte Güter. Um 1400 ereignete sich eine Naturkatastrophe. Es könnte sich um den Ausbruch eines Vulkans oder um ein Erdbeben gehandelt haben. Die jahrtausende alte Kultur wurde plötzlich zerstört. Auch der Palast von Knossos fiel dieser Naturkatastrophe zum Opfer. Danach, in der klassischen Zeit Griechenlands, war Kreta ein Stadtstaat. Von 69 – 67 v. Chr. besetzten die Römer die Insel. Danach war Kreta bis 44 v. Chr. oströmische Provinz. Mit Paulus und Titus, so berichten Historiker, soll im 1. Jahrhundert das Christentum auf die Insel gekommen sein. Mit der Reichsteilung gehörte Kreta zum christlich-oströmischen Reich. Von 823 – 961 beherrschten moslemische Araber die Insel. Diese wiederum wurden von christlichen Truppen des 4. Kreuzzuges vertrieben. Zwischendurch beherrschten Venezier die Insel. 1669 eroberten Türken Kreta und blieben bis 1908. Seit 1913 gehört Kreta wieder zu Griechenland. Die landschaftlich reizvolle Insel mit seinen atemberaubenden Bergen und Schluchten, immergrünen Wiesen und Feldern und seiner üppigen Vegetation mussten wir leider am späten Nachmittag verlas- sen. In Erinnerungen schwelgend, fuhren wir an der Küste entlang nach Norden, Richtung Neapel.
Diese quirlige Metropole Süditaliens erreichten wir am Morgen des nächsten Tages. In der Nacht kämpfte sich unser Schiff durch die aufgewühlte See. Wir merkten nichts davon, bis auf das Heulen des Windes beim Öffnen der Tür zum Balkon. Kein Vergleich mehr zu früheren Schiffsfahrten, bei denen häufig Mannschaft und Passagiere unter Seekrankheit litten.
Diesmal galt es, sich für eine der drei angebotenen Exkursionen zu entschieden. Sollten wir den Vesuv ersteigen?
Es war auch möglich, die antike Pompeji (eine kulturhistorische Sehenswürdigkeit) zu besichtigen. Auch die Stadt Neapel selbst lohnt einen Aufenthalt. Sie reicht bis an den Nord- und Westfuß des Vesuvs heran.
Die Wahl fiel nicht leicht. Wir entschieden uns für Neapel.
Die Schönheit Neapels wurde seit Jahrhunderten in Liedern besungen, die heute noch in aller Munde sind, so genannte Gassenhauer wurden.
Im 2. Weltkrieg waren große Teile der Stadt zerstört wurden. Heute ist Neapel wieder eine moderne Industriestadt mit kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten. Bei genauem Hinsehen waren aber besonders in den Vororten das Elend, der Schmutz, der Abfall nicht zu übersehen.
Die engen mittelalterlichen Gassen spendeten uns Schatten. Handwerker, Gaukler, Künstler, Obstverkäufer, Touristen aus aller Welt bevölkerten die Stadt. Autokolonnen verstopften die Straßen, Motorräder schlängelten sich durch das Verkehrschaos.
Touristen werden zur Piazza de Munizipio mit dem Reiterstandbild des Königs Victor Emanuel II., zum Castel Nuovo, geführt, prächtige mittelalterliche Bauten, die das Bild der Innenstadt prägen.
Als schönster Palast von Neapel gilt der Palazzo Reale. Die Herren von Neapel grüßen, in Marmor gehauen, grüßen aus ihren Nischen die Vorbeieilenden.
Heute befindet sich in diesem Gebäude die Nationalbibliothek. Gegenüber steht das Standbild des Bourbonenkönigs Karl V. In der Nähe befindet sich eines der größten und schönsten Opernhäuser Europas. Hier begannen weltberühmte Sänger, wie Caruso, ihre Karriere.
Im Norden der Via Roma erhebt sich das Nationalmuseum für Archäologie, es gehört zu den bedeutendsten Museen der Welt.
Beeindruckt von den unterschiedlichen Erlebnissen des Tages, jedoch auch erschöpft, betraten wir am Nachmittag mit müden Beinen über die Gangway unser Schiff, um die herrliche Atmosphäre an Bord die letzten Meilen bis Genua zu genießen.
Alle Gruppen hatten sich pünktlich wieder auf unserem schwimmenden Hotel eingefunden.
Genua, hier begann vor 11 Tagen unsere Reise. Es regnete, als die Fahrt zu Ende ging. Plötzlich herrschte reges Treiben auf dem Schiff. Die Gruppen wurden zu ihren unterschiedlichen Bussen aufgerufen, Koffer wurden transportiert. Die Ausschiffung war unerwartet plötzlich in vollem Gange.
Geblieben sind bis heute Erinnerungen an eine erlebnisreiche, schöne Reise.



